Kategorie: PV-Anlagen

  • 62 kWp – Scheune Adrian Glur

    62 kWp – Scheune Adrian Glur

    Die Daten

    • Generatorleistung 62.25 kWp
    • 249 Module Trina Solar TSM-250 W, PC05A
    • 3 Wechselrichter Siemens Sinvert PVM17, 16.5 kWp 3-phasig, 1 MPP Tracker
    • 1 Wechselrichter Siemens Sinvert PVM10, 10.0 kWp 3-phasig, 1 MPP Tracker
    • Dachneigung 20° (Welldach)
    • Ausrichtung 75° (Süden = 0°, Osten = -90°, Westen = 90°)
    • Ertragsschätzung 905 kWh/kWp
    • Inbetriebnahme 12. September 2012

    Der Nachmittagsstrom

    Diese Anlage wird ihre Trümpfe meiner Ansicht nach insbesondere bei dem oberaargau-typischen Morgennebel ausspielen. Durch die Winkelverschiebung zur benachbarten Anlage um fast 90° wird beispielsweise Ende Oktober das Leistungsmaximum um 80 Minuten verzögert. Um eine etwas ausgeglichenere Tagesbilanz beim Solarstrom zu erhalten, wären also viele Ost- und Westanlagen den exakt nach Süden ausgerichteten vorzuziehen.

    Das Handicap

    Anlagen mit einer Peak-Leistung über 30 kW werden aktuell in der Schweiz sehr gestraft. Einerseits werden monatliche Kosten für die obligatorische Lastgangmessung fällig, andererseits wird meist ein massiv tieferer Tarif vergütet. Zusätzlich wird es dem Betreiber ab 1. Januar 2013 verunmöglicht, den Strom primär selber zu nutzen. Siehe dazu diesen Beitrag. Diese Einschränkungen sind solange von grosser Bedeutung, bis eine Aufnahme ins KEV-Förderprogramm erfolgt. Anschliessend fallen die Kosten nicht mehr so stark ins Gewicht und der Tarif ist für 25 Jahre ab Inbetriebnahme auf „kostendeckendem“ Niveau fixiert.

    Die Leistungsbegrenzung

    Eine momentan noch hypothetische Begrenzung der Anlage von 61 auf 30 kWp zeigt, wie absurde Auswirkungen Grenzen oft haben. Eine Leistungsbegrenzung auf unter 50% reduziert nach Modellrechnung in diesem Fall den Jahresertrag von 63’000 auf 55’000 kWh, also um rund 12%. Dafür fallen die monatlichen Gebühren für die Lastgangmessung von Fr. 85.00 weg und der Einspeisetarif steigt von 9 auf 15 Rappen. Es resultiert eine finanzielle Besserstellung des Betreibers um ca. Fr. 3’500.00 im Jahr, wenn man den Energieverbrauch von zwei durchschnittlichen Familien „vernichtet“, anstatt einspeist.

    Obige Überlegungen sind natürlich unterdessen obsolet. Die Lastgangmessung ist heute deutlich günstiger, der Tarif ist besser und unabhängig von der Anlagengrösse.

  • 150 kWp – W. & O. Geiser AG

    150 kWp – W. & O. Geiser AG

    Die Daten

    • Generatorleistung 149.09 kWp
    • 114 Module Luxor Eco Line 72/185 W (Sept. 2011)
    • 512 Module Trina Solar TSM-250 W, PC05A (Sept 2012)
    • 2 Wechselrichter Siemens Sinvert PVM13, 12.4 kWp 3-phasig, 1 MPP Tracker
    • 6 Wechselrichter Siemens Sinvert PVM20, 19.2 kWp 3-phasig, 1 MPP Tracker
    • Dachneigung 8° (Pultdach), Aufständerung 10° (Flachdach)
    • Ausrichtung -13° (Süden = 0°, Osten = -90°, Westen = 90°)
    • Ertragsschätzung 960 kWh/kWp, aktuell erreicht ca. 1’050 kWh/kWp (mit 21 kWp Anlage)

    Der Werdegang

    Nachdem Planung, Montage und Inbetriebnahme der im September 2011 installierten 21 kWp-Anlage so problemlos vonstatten ging, äusserte ich die Idee, im Jahr 2012 die Anlage „etwas“ zu erweitern. Aus der Erweiterung wurde durch Eigendynamik der Planung schnell eine Maximalbelegung mit zusätzlichen 128 kWp. Durch die einfache Montage auf dem Trapezdach im Jahr 2011 liess ich mich etwas blenden, was den Zeitaufwand für die neue Anlage betraf. Nach einigen Feierabendeinsätzen erreichte meine Hochrechnung im worst case 500 Stunden. Also stellten wir kurzfristig von einem Temporärbüro zwei Mitarbeiter ein, welche die „Tagschicht“ übernahmen. Der gesamte mechanische Aufbau der Anlage sowie der DC-Verkabelung inkl. Montage der Wechselrichter und Generatoranschlusskästen summierte sich schliesslich auf exakt 400 Stunden und dauerte 31 Tage.

    Der Nutzen

    Natürlich haben wir im Herbst 2011 die Anlage samt Erweiterung fürs KEV angemeldet. Bis zu einer möglichen späteren Aufnahme ins Förderprogramm wollten wir die gewonnene Energie selber nutzen. Die rund 150 MWh/Jahr der PV-Anlage hätte einen ansehnlichen Beitrag an den Verbrauch von 240 MWh/Jahr gegeben. Ab 1.1.2013 ist aber die Anschlussvariante mit Eigenverbrauch und Überschuss-Einspeisung nicht mehr erlaubt. Produzenten mit Anlagen über 30 kWp werden gezwungen, 100% (zu einem sehr tiefen Tarif) ins Netz einzuspeisen und gleichzeitig zum ordentlichen (deutlich höheren) Tarif wieder zu beziehen. Das stellt die Wirtschaftlichkeit arg in Frage – ohne KEV ist ein grosser Verlust sicher.

    Tarife und Kosten

    • Einspeisetarif ab 1.10.2012: Fr. 0.09 / kWh
    • KEV Einspeisetarif würde Fr. 0.34 / kWh betragen
    • Lastgangmessung (obligatorisch ab 30 kWp): Fr. 81.00 / Monat
    • Plangenehmigung ESTI (Starkstrominspektorat): Fr. 1959.00
    • Sicherheitsnachweis und KEV-Beglaubigung: Fr. 900.00

    Fazit nach dem Bau

    Ohne KEV ist auch eine extrem günstig gebaute Anlage niemals kostendeckend zu betreiben. Insbesondere dann, wenn es einem verunmöglicht wird, die selbst produzierte Energie selber zu nutzen. Ob der Preis der obligatorischen Lastgangmessung mit 7.2% des gesamten Verkaufserlöses zu Buche schlagen sollte, ist auch eher fraglich. Bei einer Anlage mit 31 kWp wären es sogar um die 35% (ohne KEV Vergütung gerechnet).

    Obige Betrachtung ist überholt. Die Anlage speist unterdessen vollumfänglich ein und wird KEV vergütet. Der Bau der Anlage war finanziell tendenziell risikoreich, dafür interessant. Auch hier hat sich bewiesen, dass sich Mut manchmal auszahlt.